Auf der Bühne wird geprobt
Das interaktive Theater „Knotenpunkt“ gibt Anregungen zum Umgang mit Demenz Der Raum füllt sich mit Rauch. Eine Katze miaut, auf dem Sofa sitzt Rosa, die Hauptfigur. Sie rührt sich nicht. Dann geht das Licht an. Sohn und Schwiegertochter betreten die Bühne. Hektik bricht aus. Sie schreien nach Rosa, Mutter wo bist du? Mutter so sag doch etwas, wohin soll das führen. Sohn Ernst ist ratlos, schon zum vierten Mal ist das nun passiert. Beinahe wäre die Küche abgebrannt. Was wenn der Vorhang Feuer gefangen hätte? Rosa sieht die beiden an, verwundert. Sie weiss nicht worum es hier geht. Es seien ihr doch nur die Koteletts ein wenig angebrannt.
Monika schreit. „So geht es nicht weiter, Ernst. Hörst du? Wir müssen es ihr sagen, sofort! Das ist kein Zustand. Immer habe ich habe Angst um sie. So kann sie nicht mehr leben, sag es ihr.. Diese Wohnung ist zu gefährlich, du weißt das doch auch...!“ Nun stutzt Rosa. „Es ist doch nur ein bisschen angebrannt“, sagt sie fest. Im Publikum sitzen Fachleute der Baselbieter Alters- und Pflegeheime. Bei ihren Bewohnern mit Demenzerkrankung hat es vielleicht auch so angefangen. Das Vergessen von Kleinigkeiten, Missgeschicke. Sie kennen die Szenen, die im Verlauf des Abends auf der Bühne gezeigt werden. Die Krankheit Alzheimer wird frisch und unmittelbar thematisiert, Probleme werden anschaulich. Zum Beispiel Schwester Pia, die sich schliesslich um Rosa und einen weiteren Alzheimerpatienten sorgen soll. Sie ist überfordert. Hilflosigkeit und Ohnmacht werden greifbar in ihrer ruppigen Art und den Versuchen Rosa zum Essen zu zwingen. Rosa jedoch hat ihren ganz eigenen Kopf. Sie spielt nicht mehr mit, zunehmend verliert sie die Orientierung.
Die Zuschauer leiden mit, manch eine Pflegerin schreit auf, denn die Kommunikation in Rosas Heim funktioniert auf keiner Ebene. Das Stück endet mit Rosas Worten: „Ich will heim.“ Im zweiten Teil der Veranstaltung kommen das Publikum zum Zug. Es wird heftig debattiert und die Situationen werden verbessert, wo es nur geht. Die Moderatorin Franziska Zeller bittet manch Freiwilligen auf die Bühne, um selbst Hand anzulegen. Szenen werden wiederholt, Rollen ausgetauscht. „Mmh.. Rosa, wie dieser Griessbrei duftet. Schau doch mal.. Probier doch mal, der ist ganz fein...“ Auf der Bühne wird geprobt für den Ernstfall. „Neeeiin..! Herr Ochsner, hier geblieben. Ihr Teller... Rosa, nicht im Griessbrei rumpatschen. So, fein essen, nicht? Herr Ochsneeeer...“ Das Ziel ist es, Diskussionen anzuregen. Verbesserungsvorschläge werden gesammelt, Ideen entwickelt, ausprobiert. Es braucht schon etwas Mut, sich aktiv am Geschehen zu beteiligen. Die Theatercrew bleibt gekonnt in ihren Rollen und erntet viele spontane Lacher. Weiterbildung einmal ganz anders, mittendrin statt nur dabei.
Der Verband Baselbieter Alters- und Pflegeheime (BAP) hat den Anlass organisiert. Er zollt mit dieser Einladung den Pflegenden Anerkennung für ihre herausfordernde Arbeit. Sie bekommen die Möglichkeit, offen über Grenzen der Belastbarkeit, sowie über allgemeine Schwierigkeiten im Umgang mit Demenz zu sprechen. Stichworte wie Teamarbeit, gelingende Kommunikation und mehr Verständnis in der Öffentlichkeit gewinnen an Bedeutung. Text: Stephanie Meyer, Therwil Weitere Informationen auf der Homepage des Theaters Knotenpunkt |
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