Wenn nichts mehr zu machen ist,
ist noch viel zu tun

Bericht über einen Informationsabend des BAP vom 13.9.2007

Was brauchen sterbende Menschen? Wie soll der Abschied gestaltet werden? Das waren Fragen, denen sich der vom BAP (Verband Baselbieter Alters-, Pflege- und Betreuungseinrichtungen) organisierte Infoabend „Sterben im Heim - Lebensbegleitung bis zum Schluss“ gewidmet hat. Ruth Merk, die Pflegedienstleiterin im Hospiz Arlesheim, hielt einen Vortrag zum Thema „Der letzte Lebensabschnitt“. Barbera Struwe berichtete unter dem Titel „Leben wäre eine prima Alternative“ über ihre Tätigkeit als Seelsorgerin in Alters- und Pflegeheimen. Susanne Probst, die Leiterin der Pflegewohnungen Binningen, stellte ein Konzept zur konkreten Umsetzung von Sterbebegleitung vor. Die drei Referentinnen stellten sich, nach ihren Ausführungen noch einer Podiumsdiskussion und Publikumsfragen.

Auch im 21. Jahrhundert sind der Tod und das Sterben immer noch Tabuthemen der Gesellschaft. In den Alters- und Pflegeheimen gehört das Sterben zum Alltag. Ein offener Umgang mit dem Tod hilft nicht nur den Pflegenden, sondern auch den Heimbewohnern. Heute sind die meisten Bewohner der Heime hochbetagt. Die meisten hängen an ihrem Leben, trotz Schmerzen und Einschränkungen. Die Langeweile und Untätigkeit, wird selten als negativ empfunden. Die Heimbewohner brauchen diese Zeit zum nachdenken und sich erinnern: In 90 Jahren Leben ist viel passiert.

Viele empfinden ihren Körper als Belastung. Deswegen gehört Palliative Care zum festen Bestandteil der Pflege von Hochbetagten. Palliative Pflege versucht nicht den Patienten zu heilen, sondern „Lebensqualität bis zuletzt“ zu garantieren. Dazu gehört das Recht der Patienten auf Schmerzfreiheit. Die Hausärzte seien bei der Verschreibung von Schmerzmitteln für Hochbetagte oft überfordert und zu zögerlich kritisiert Ruth Merk.

Die allgemeine Entwicklung der vergangenen Jahre sehen alle Referentinnen positiv. Von einer mechanischen, an Richtlinien orientierten Sterbebegleitung hat man heute zu einer persönlicheren und für jeden Patienten individuellen Form gefunden. Wegen des medizinischen Fortschritts sind ethische Fragen komplexer geworden: Fällt das Einflössen von Flüssigkeit zu lebensverlängernden Massnahmen? Soll man Patienten, denen jede Bewegung enorme Schmerzen verursacht, noch waschen? Eine enorme Verantwortung für das Pflegepersonal. Entscheidungen werden deshalb immer im Team besprochen, um die einzelnen Mitarbeitenden zu entlasten. Auch Gespräche und Zeit zum Nachdenken sind wichtig, um schwierige Fälle zu verarbeiten. Weiterbildungen würden dem Pflegepersonal helfen, und auch die Qualität der Pflege weiter verbessern. Oft scheitern die Schulungen jedoch an den Finanzen.

Am 20. September findet der nächste Infoabend zum Thema Sterbehilfe im Kirchgemeindehaus Martinshof in Liestal statt (weitere Informationen).

Autor: Christian Meyer

 
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